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Klimaanlage selbst befüllen: Funktionieren Nachfüllsets wirklich – und welche Risiken gibt es?

Wenn die Klimaanlage im Auto nicht mehr richtig kühlt, kann ein Besuch in der Werkstatt schnell teuer werden. Im Internet werden deshalb verschiedene Nachfüllsets angeboten, mit denen sich eine Fahrzeugklimaanlage innerhalb weniger Minuten selbst befüllen lassen soll.

Viele dieser Sets bestehen aus einer Druckdose, einem Füllschlauch und einem kleinen Manometer. Je nach Ausführung enthalten sie neben einem sogenannten Kältemittelersatz zusätzlich Kompressoröl, Dichtmittel, UV-Farbstoff oder einen Feuchtigkeitsabsorber.

Doch kann das wirklich eine professionelle Klimawartung ersetzen? Und welche Risiken entstehen, wenn mehrere unterschiedliche Stoffe ohne vorherige Diagnose in die Klimaanlage eingefüllt werden?

Wichtiger Hinweis:
Dieser Beitrag dient ausschließlich der technischen Aufklärung. Er ist keine Anleitung zum Befüllen einer Fahrzeugklimaanlage und keine Empfehlung für ein bestimmtes Nachfüllprodukt. Arbeiten am Kältemittelkreislauf sollten von entsprechend qualifizierten Fachkräften durchgeführt werden.


Produktbeispiele: Um welche Nachfüllsets geht es?

Die nachfolgend verlinkten Produkte dienen ausschließlich als Beispiele, damit nachvollziehbar ist, welche Art von Klimaanlagen-Nachfüllsets in diesem Beitrag gemeint ist.

Klimaanlagen-Nachfüllsets: Produktbeispiele bei Amazon ansehen

Linkziel:

FIXFY 3in1 –R1234YF Kältemittelersatz mit Öl…*
  • Selbstständiges Befüllen der Klimaanlage – FIXFY 3in1 ist ein komplettes Set zur Nachfüllung…
  • Komplettes, einsatzbereites Set – Das Produkt enthält 500 ml, darunter 290 g eines Ersatzes für…
  • Einfache Anwendung ohne Spezialwerkzeug – Dank des mitgelieferten Manometerschlauchs kann die…
  • Kompatibel mit modernen Fahrzeugen – Das FIXFY 3in1-Set ist für Fahrzeuge mit einem Klimasystem…
  • Größeres Volumen als Standardprodukte – FIXFY 3in1 enthält mehr Kältemittel als andere…

Letzte Aktualisierung am 26.07.2026 um 09:21 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / *

⚠️ Keine Produktempfehlung:
Die Verlinkung bedeutet nicht, dass BimmerGuide die Anwendung dieser Nachfüllsets empfiehlt. Vor einem Kauf sollten unbedingt die Freigaben des Fahrzeugherstellers, das vorgeschriebene Kältemittel, die benötigte Ölart und die rechtlichen Voraussetzungen geprüft werden. Besonders Produkte mit Dichtmittel oder nicht eindeutig ausgewiesener Zusammensetzung sind kritisch zu betrachten.


Was enthalten solche Nachfüllsets?

Die Produkte werden in verschiedenen Zusammenstellungen angeboten. Beim beispielhaft betrachteten Hersteller gibt es unter anderem 2-in-1-, 3-in-1- und 5-in-1-Varianten für Anlagen, die ursprünglich mit R134a oder R1234yf betrieben werden. Der Hersteller bewirbt dabei 290 Gramm Ersatzgas teilweise als Äquivalent zu 755 Gramm des ursprünglichen Kältemittels. Daran ist bereits erkennbar, dass nicht einfach dieselbe Masse des originalen Kältemittels eingefüllt wird, sondern ein Ersatzstoff mit anderen physikalischen Eigenschaften zum Einsatz kommt. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

VarianteBeworbener Inhalt
2-in-1Kältemittelersatz und Kompressoröl
3-in-1Kältemittelersatz, Kompressoröl und Dichtmittel
5-in-1Kältemittelersatz, Kompressoröl, Dichtmittel, Feuchtigkeitsabsorber und UV-Farbstoff

Die Bezeichnungen R134a oder R1234yf können dabei missverständlich wirken. Häufig handelt es sich laut Produktbeschreibung nicht um das originale Kältemittel, sondern um einen als kompatibel beworbenen Kältemittelersatz für entsprechende Anlagen.

Welche chemischen Stoffe tatsächlich enthalten sind, sollte aus dem Etikett und insbesondere aus dem Sicherheitsdatenblatt eindeutig hervorgehen. Ist die genaue Zusammensetzung vor dem Kauf nicht erkennbar, lässt sich auch die technische Kompatibilität mit dem Fahrzeug nicht zuverlässig beurteilen.


Wie funktionieren die Selbstbefüllungssets?

Der mitgelieferte Schlauch wird normalerweise am Niederdruck-Serviceanschluss der Klimaanlage angeschlossen. Bei laufendem Motor und eingeschalteter Klimaanlage wird der Inhalt der Dose in das System gedrückt. Ein kleines Manometer soll dabei anzeigen, ob sich der Druck in einem vorgesehenen Bereich befindet.

Der Hersteller des beispielhaft betrachteten Sets beschreibt eine Anwendung bei laufendem Motor, niedrigster Temperatureinstellung und höchster Gebläsestufe. Anschließend soll über den Niederdruckanschluss befüllt werden. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Das klingt zunächst unkompliziert. Problematisch ist jedoch, dass der Druck auf der Niederdruckseite nicht unmittelbar verrät, wie viel Kältemittel sich tatsächlich im gesamten System befindet.

Der angezeigte Druck wird unter anderem beeinflusst durch:

  • Außentemperatur,
  • Motordrehzahl,
  • aktuelle Kompressorleistung,
  • Luftdurchsatz am Kondensator,
  • Gebläsestufe,
  • Expansionsventil beziehungsweise Drossel,
  • Systembauart und Regelstrategie.

Der Zeiger kann deshalb scheinbar im richtigen Bereich stehen, obwohl die Anlage weiterhin unterfüllt oder bereits überfüllt ist.


Warum kann die Klimaanlage danach trotzdem wieder kühlen?

Befindet sich zu wenig Kältemittel in der Anlage, kann das Ergänzen eines geeigneten Stoffes zunächst tatsächlich dazu führen, dass die Verdampfung und Wärmeübertragung wieder besser funktionieren. Die Luft aus den Düsen wird kälter und das Produkt scheint seinen Zweck erfüllt zu haben.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Klimaanlage:

  • korrekt befüllt ist,
  • dauerhaft dicht bleibt,
  • die richtige Ölmenge enthält,
  • frei von Luft und Feuchtigkeit ist,
  • mit dem Ersatzstoff vollständig kompatibel ist.

Eine vorübergehende Verbesserung der Kühlleistung ist daher kein Beweis für eine fachgerechte Reparatur.


Was passiert bei einem professionellen Klimaservice?

Bei einer fachgerechten Wartung wird nicht einfach zusätzliches Gas in eine unbekannt gefüllte Anlage gedrückt.

Stattdessen wird das vorhandene Kältemittel mit einem Klimaservicegerät abgesaugt und gewogen. Dadurch lässt sich feststellen, wie viel Kältemittel noch vorhanden war. Anschließend wird das System auf Undichtigkeiten geprüft und evakuiert. Durch das Vakuum sollen Luft und Feuchtigkeit aus dem Kreislauf entfernt werden.

Erst danach wird die vom Fahrzeughersteller vorgeschriebene Kältemittelmenge grammgenau eingefüllt. Auch Ölart und Ölmenge richten sich nach der jeweiligen Anlage und den Herstellervorgaben.

MAHLE weist darauf hin, dass vor dem erneuten Befüllen die Dichtheit geprüft, das System ausreichend evakuiert und ausschließlich die vorgeschriebene Kältemittelmenge sowie die richtige Ölspezifikation verwendet werden sollen. Wird eine Undichtigkeit vermutet, soll die Anlage nicht einfach erneut befüllt werden. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Ein einfaches Nachfüllset kann diese Arbeitsschritte nicht ersetzen.


Risiko 1: Die vorhandene Restmenge ist unbekannt

Bei einer Nachfüllung mit der Dose wird normalerweise nicht ermittelt, wie viel Kältemittel bereits im System vorhanden ist. Man ergänzt eine zusätzliche Menge, ohne den tatsächlichen Ausgangszustand zu kennen.

Dadurch sind zwei Fehler möglich:

Die Anlage bleibt unterfüllt

Bei einer weiterhin zu geringen Füllmenge kann die Kühlleistung schlecht bleiben. Außerdem kann die Schmierung des Kompressors beeinträchtigt werden, da das Öl zusammen mit dem Kältemittel durch den Kreislauf transportiert wird.

Die Anlage wird überfüllt

Eine Überfüllung kann zu ungewöhnlich hohen Drücken, schlechter Kühlleistung und einer erhöhten Belastung für Kompressor, Kondensator, Leitungen und Dichtungen führen. MAHLE nennt bei auffälligen Druckwerten ausdrücklich eine Überfüllung oder eine zu große Ölmenge als mögliche Fehlerursache. :contentReference[oaicite:3]{index=3}

Das kleine Manometer am Füllschlauch kann die fehlende Mengenbestimmung nicht ersetzen.


Risiko 2: Zusätzliches Kompressoröl wird pauschal eingefüllt

Kompressoröl ist grundsätzlich notwendig. Daraus folgt aber nicht, dass bei jeder nachlassenden Kühlleistung automatisch zusätzliches Öl benötigt wird.

Bei einem langsamen Kältemittelverlust kann ein Großteil des Öls weiterhin im System vorhanden sein. Wird dann mit jeder Dose erneut Öl hinzugefügt, kann die Anlage überölt werden.

Zu viel Öl kann:

  • den Wärmeübergang verschlechtern,
  • die Kühlleistung reduzieren,
  • den nutzbaren Kreislaufquerschnitt beeinflussen,
  • zu ungünstigen Druckverhältnissen führen,
  • den Kompressor belasten.

Außerdem existieren unterschiedliche Ölsorten und Viskositäten. Nicht jedes Öl ist mit jedem Kältemittel, Kompressor und Fahrzeug freigegeben. Die Ölmenge muss daher gezielt bestimmt und nicht pauschal ergänzt werden. :contentReference[oaicite:4]{index=4}


Risiko 3: Dichtmittel kann spätere Reparaturen erschweren

Dichtmittel soll kleinere Leckagen an Dichtungen, O-Ringen oder anderen Stellen des Kältemittelkreislaufs verschließen. Das klingt praktisch, beseitigt aber nicht zwangsläufig die eigentliche Schadensursache.

Ein durch Steinschlag beschädigter Kondensator, eine korrodierte Leitung, ein defekter Verdampfer oder eine beschädigte Verbindung wird dadurch nicht fachgerecht repariert.

Zusätzlich kann sich ein Dichtmittel an unerwünschten Stellen ablagern, beispielsweise in:

  • Expansionsventilen,
  • Drosseln,
  • feinen Kanälen des Kondensators,
  • Filtertrocknern,
  • Serviceanschlüssen,
  • Klimaservicegeräten.

DENSO weist darauf hin, dass sich Öle, UV-Farbstoffe und Dichtmittel im Klimakreislauf befinden können und bei einer notwendigen Reinigung berücksichtigt werden müssen. Bestimmte Bauteile lassen sich zudem nicht zuverlässig spülen und müssen bei Verunreinigungen gegebenenfalls ersetzt werden. :contentReference[oaicite:5]{index=5}

Eine kurzfristig verschlossene Mikroleckage kann deshalb später zu einer deutlich aufwendigeren Diagnose führen.


Risiko 4: Ein „Feuchtigkeitsabsorber“ ersetzt kein Vakuum

Bei manchen 5-in-1-Produkten wird zusätzlich ein Feuchtigkeitsabsorber oder „Trockner“ beworben. Dieser Zusatz darf nicht mit der Evakuierung durch ein professionelles Klimaservicegerät verwechselt werden.

Befinden sich Luft und Feuchtigkeit in einer geöffneten oder vollständig entleerten Anlage, müssen sie mit einer Vakuumpumpe entfernt werden. Feuchtigkeit kann mit Kältemittel und Öl reagieren, Korrosion fördern, das Expansionsventil beeinträchtigen und bei niedrigen Temperaturen zu Vereisungen führen.

Der eigentliche Filtertrockner des Fahrzeugs nimmt Feuchtigkeit aus dem Kreislauf auf. Seine Aufnahmekapazität ist jedoch begrenzt. Ein Zusatz aus der Dose stellt den ursprünglichen Zustand eines gesättigten oder gealterten Filtertrockners nicht automatisch wieder her.

MAHLE empfiehlt vor dem Befüllen eine ausreichende Evakuierung, damit Feuchtigkeit aus der Anlage entfernt wird. :contentReference[oaicite:6]{index=6}


Risiko 5: Auch UV-Farbstoff muss richtig dosiert werden

UV-Kontrastmittel kann bei der Lecksuche hilfreich sein. Es ist jedoch kein klassischer Reparaturstoff, sondern dient dazu, austretendes Kältemittel beziehungsweise Öl unter einer UV-Lampe sichtbar zu machen.

Auch hier gilt: Mehr ist nicht automatisch besser.

Wurde bei einer früheren Wartung bereits Kontrastmittel eingefüllt, kann eine weitere Dosis unnötig sein. Zu viel oder nicht freigegebener Farbstoff kann die Eigenschaften des Öls beeinflussen oder eine spätere Diagnose erschweren.

Die Verwendung und Menge des Kontrastmittels sollte deshalb dokumentiert und an die Herstellervorgaben angepasst werden. MAHLE weist ausdrücklich darauf hin, die Zugabe zu dokumentieren, um eine Überdosierung zu vermeiden. :contentReference[oaicite:7]{index=7}


Risiko 6: Fremdgas kann den späteren Klimaservice verteuern

Professionelle R1234yf-Klimaservicegeräte verfügen teilweise über eine Kältemittelanalyse. Damit wird geprüft, ob sich tatsächlich das vorgesehene Kältemittel mit ausreichender Reinheit im Fahrzeug befindet.

Bosch bietet beispielsweise R1234yf-Servicegeräte mit integriertem Kältemittel-Identifikator an. Solche Prüfungen sollen verhindern, dass unbekannte oder verunreinigte Stoffe in das interne System des Servicegeräts gelangen. :contentReference[oaicite:8]{index=8}

Erkennt eine Werkstatt ein unbekanntes Ersatzgas oder eine Verunreinigung, kann sie die normale Absaugung ablehnen. Unter Umständen wird dann ein separates Gerät zur Aufnahme kontaminierten Kältemittels benötigt.

Dadurch kann aus einer zunächst günstigen Selbstbefüllung später eine aufwendige und teurere Klimareparatur werden.


Risiko 7: Verletzungs-, Brand- und Erstickungsgefahr

Kältemittel und Kältemittelersatzstoffe stehen in den Dosen und im Klimakreislauf unter Druck.

Tritt flüssiges Kältemittel aus, verdampft es sehr schnell und entzieht der Umgebung Wärme. Direkter Haut- oder Augenkontakt kann deshalb schwere Kälteverbrennungen verursachen.

Hohe Gaskonzentrationen können in schlecht belüfteten Bereichen außerdem den Sauerstoff verdrängen. Arbeiten sollten deshalb niemals in einer Grube oder einem geschlossenen Raum durchgeführt werden.

MAHLE nennt unter anderem folgende Gefahren:

  • Kälteverletzungen an Haut und Augen,
  • Schwindel und Erstickungsgefahr,
  • hoher Austrittsdruck,
  • gefährliche Zersetzungsprodukte bei Kontakt mit Flammen oder heißen Oberflächen. :contentReference[oaicite:9]{index=9}

Auch das reguläre Kältemittel R1234yf ist brennbar. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass bei einem Brand oder Kontakt mit heißen Oberflächen unter anderem Fluorwasserstoff und weitere giftige Zersetzungsprodukte entstehen können. :contentReference[oaicite:10]{index=10}

Besteht ein Ersatzkältemittel ganz oder teilweise aus brennbaren Kohlenwasserstoffen, entstehen zusätzliche Risiken. Ohne ein eindeutig zuordenbares Sicherheitsdatenblatt sollte die Zusammensetzung daher keinesfalls nur anhand der Werbebezeichnung vermutet werden.


Bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen besonders kritisch

Hybrid- und Elektrofahrzeuge verwenden häufig elektrisch angetriebene Klimakompressoren. Das Öl dient bei diesen Systemen nicht nur der Schmierung, sondern muss auch die notwendige elektrische Isolation gewährleisten.

DENSO beschreibt dafür spezielle POE-Öle mit hoher Isolationsfähigkeit, da Elektromotor, Kältemittel und Öl innerhalb des Kompressors miteinander in Kontakt stehen. :contentReference[oaicite:11]{index=11}

Ein falsches oder verunreinigtes Öl kann deshalb bei Hochvoltfahrzeugen besonders problematisch sein. Mögliche Folgen sind:

  • verringerter Isolationswiderstand,
  • Fehlereinträge im Hochvoltsystem,
  • Abschaltung des Klimakompressors,
  • Beschädigung teurer Komponenten.

Bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen sollte daher weder ein universelles Kompressoröl noch ein Mehrzweck-Nachfüllprodukt ohne ausdrückliche Fahrzeugfreigabe verwendet werden.


R134a und R1234yf dürfen nicht einfach nach Baujahr ausgewählt werden

Produktbeschreibungen verwenden häufig eine grobe Unterteilung:

  • R134a für ältere Fahrzeuge bis ungefähr 2016,
  • R1234yf für neuere Fahrzeuge ab ungefähr 2017.

Diese Einteilung ist nur eine Orientierung. Übergangszeiträume, Modellwechsel, Märkte und einzelne Baureihen können davon abweichen.

Verbindlich ist ausschließlich der Aufkleber beziehungsweise das Kältemittelschild im Motorraum oder die technische Herstellervorgabe. Dort stehen normalerweise:

  • vorgeschriebene Kältemittelart,
  • erforderliche Füllmenge,
  • teilweise die vorgeschriebene Ölart,
  • Warn- und Sicherheitshinweise.

Das Kältemittel darf niemals nur anhand des Baujahres ausgewählt werden.


Wie sieht es rechtlich aus?

Arbeiten an Fahrzeugklimaanlagen sind nicht nur eine technische Frage. Die EU-Verordnung 2024/573 enthält Anforderungen an die Qualifikation von Personen, die Wartungs-, Service-, Reparatur- und Rückgewinnungsarbeiten an Fahrzeugklimaanlagen mit fluorierten Treibhausgasen sowie bestimmten Alternativen durchführen. :contentReference[oaicite:12]{index=12}

Ob ein konkretes Nachfüllprodukt und dessen private Verwendung unter einzelne Vorschriften fällt, hängt unter anderem von der tatsächlichen Zusammensetzung, der ausgeführten Tätigkeit und der jeweiligen nationalen Umsetzung ab.

Aus dem freien Verkauf eines Produkts lässt sich daher nicht automatisch ableiten, dass seine Verwendung in jedem Fahrzeug und unter allen Umständen uneingeschränkt zulässig ist.


Bewertung der unterschiedlichen Varianten

ProduktvarianteEinschätzung
Kältemittelersatz ohne weitere ZusätzeTechnisch kritisch, da Restmenge, Kompatibilität und genaue Füllmenge unbekannt bleiben
2-in-1 mit KompressorölNicht pauschal empfehlenswert, da möglicherweise unnötig oder falsch geölt wird
3-in-1 mit Öl und DichtmittelNicht empfohlen
5-in-1 mit Öl, Dichtmittel, Feuchtigkeitsabsorber und UV-MittelKlare Warnung, da mehrere nicht bedarfsgerecht dosierbare Stoffe eingebracht werden
Anwendung bei R1234yf-SystemenWegen Brennbarkeit, Reinheitsprüfung und Systemkosten besonders kritisch
Anwendung bei Hybrid- und ElektrofahrzeugenNicht empfohlen
Anlage war vollständig leer oder geöffnetSelbstbefüllung ungeeignet; Evakuierung und Lecksuche erforderlich
Bekannte UndichtigkeitUrsache reparieren lassen, nicht nur nachfüllen oder abdichten

Wann sollte man keinesfalls selbst nachfüllen?

Von einer Selbstbefüllung ist insbesondere abzuraten, wenn:

  • die Anlage vollständig leer ist,
  • der Kältemitteltyp nicht eindeutig bekannt ist,
  • bereits mehrfach nachgefüllt wurde,
  • die Klimaanlage innerhalb kurzer Zeit wieder ausfällt,
  • sichtbare Beschädigungen oder Ölspuren vorhanden sind,
  • ungewöhnliche Geräusche vom Kompressor auftreten,
  • ein Hybrid- oder Elektrofahrzeug betroffen ist,
  • das Produkt ein nicht näher beschriebenes Universalöl enthält,
  • die genaue chemische Zusammensetzung nicht angegeben wird,
  • kein Sicherheitsdatenblatt verfügbar ist,
  • bereits Dichtmittel eingefüllt wurde.

Eine vollständig leere Anlage hat sehr wahrscheinlich entweder eine größere Undichtigkeit oder enthält nach einer Reparatur Luft und Feuchtigkeit. In beiden Fällen ist das bloße Einfüllen aus einer Dose keine geeignete Lösung.


Was kann man vorher selbst kontrollieren?

Nicht jede schwache Kühlleistung wird ausschließlich durch fehlendes Kältemittel verursacht. Vor einem Klimaservice können einige einfache Punkte kontrolliert werden, ohne den Kältemittelkreislauf zu öffnen:

  • Ist der Innenraumfilter stark verschmutzt?
  • Funktioniert das Innenraumgebläse auf allen Stufen?
  • Läuft der elektrische Kühler- beziehungsweise Kondensatorlüfter?
  • Sind Kondensator und Kühler stark mit Schmutz oder Insekten zugesetzt?
  • Sind an Leitungen und Anschlüssen auffällige ölige Stellen erkennbar?
  • Funktioniert die Temperaturregelung auf Fahrer- und Beifahrerseite?
  • Sind Fehler im Klimasteuergerät oder Motormanagement gespeichert?

Erst wenn diese Punkte geprüft wurden, lässt sich besser eingrenzen, ob tatsächlich ein Problem im Kältemittelkreislauf vorliegt.


Die bessere Alternative: Klimaservice mit dokumentierten Werten

Wer eine zuverlässige Diagnose möchte, sollte eine Werkstatt wählen, die beim Klimaservice mindestens folgende Werte dokumentiert:

  • ursprünglich abgesaugte Kältemittelmenge,
  • vorgeschriebene Sollfüllmenge,
  • eingefüllte Kältemittelmenge,
  • abgesaugte beziehungsweise ergänzte Ölmenge,
  • durchgeführte Vakuumzeit,
  • Ergebnis der Dichtheitsprüfung,
  • verwendetes Kältemittel und Kompressoröl,
  • eventuell eingefüllte Menge UV-Kontrastmittel.

Damit lässt sich wesentlich besser beurteilen, ob lediglich eine geringe Menge fehlte oder ob eine relevante Undichtigkeit vorhanden ist.


Fazit: Funktionieren die Sets?

Ja, ein Nachfüllset kann unter bestimmten Umständen kurzfristig dafür sorgen, dass eine Klimaanlage wieder kälter wird.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Anlage anschließend korrekt, sicher und nach Herstellervorgabe befüllt ist.

Das Hauptproblem ist nicht allein das Einfüllen eines Gases. Kritisch ist die Kombination aus:

  • unbekannter Restfüllmenge,
  • fehlender Evakuierung,
  • fehlende zuverlässige Lecksuche,
  • möglicherweise ungeeignetem Ersatzkältemittel,
  • pauschal hinzugefügtem Kompressoröl,
  • Dichtmittel,
  • Feuchtigkeitsabsorber,
  • zusätzlichem UV-Farbstoff.

Besonders 3-in-1- und 5-in-1-Produkte können eine spätere Diagnose und Reparatur erschweren. Bei modernen Fahrzeugen, R1234yf-Anlagen sowie Hybrid- und Elektrofahrzeugen ist von solchen Selbstbefüllungsversuchen deutlich abzuraten.

BimmerGuide empfiehlt daher keinen Kältemittelersatz zur pauschalen Selbstbefüllung.
Die verlinkten Produkte werden ausschließlich gezeigt, um die in diesem Beitrag behandelte Produktgruppe verständlich darzustellen.

Eine fachgerechte Klimawartung mit Absaugung, Mengenbestimmung, Dichtheitsprüfung, Vakuum und grammgenauer Neubefüllung bleibt die technisch sauberste und langfristig meist günstigere Lösung.

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