BMW Harman Kardon auf Bang & Olufsen oder Bowers & Wilkins codieren
Bei verschiedenen BMW-Modellen der F- und G-Baureihen lassen sich über eine Codierung zusätzliche Klangprofile im iDrive freischalten. Je nach Fahrzeug, Headunit und Softwarestand erscheinen anschließend Klangmodi von Bang & Olufsen oder Bowers & Wilkins.
Die Codierung verändert die digitale Klangaufbereitung des vorhandenen Audiosystems. Besonders interessant ist sie für Fahrzeuge mit dem Harman Kardon Surround Sound System SA688. Bei kleineren Harman-Kardon-Ausführungen wie SA674 kann der Funktionsumfang eingeschränkt sein; abhängig von Fahrzeug und Verstärker fehlt unter anderem der grafische Equalizer.
Wichtig: Durch die Codierung wird aus einem Harman-Kardon-System kein echtes Bang-&-Olufsen- oder Bowers-&-Wilkins-System. Lautsprecher, Verstärkerleistung, Einbaupositionen und die fahrzeugspezifische akustische Abstimmung bleiben unverändert. Die originalen High-End-Systeme verwenden eigene Hardware und werden für jedes Fahrzeugmodell speziell abgestimmt.
Was verändert die Codierung?
Die Codierung aktiviert alternative DSP-Einstellungen und zusätzliche Klangprofile im iDrive. Je nach Baureihe kann dabei die bisherige Anzeige „Logic 7“ verschwinden und durch ein Bang-&-Olufsen- beziehungsweise Bowers-&-Wilkins-Menü ersetzt werden.
Typischerweise stehen anschließend zwei unterschiedliche Klangcharakteristiken zur Verfügung:
Klangprofil
Klangcharakter
Studio
Direkter, fokussierter und stärker auf die einzelnen Lautsprecherpositionen ausgerichtet
Expanded / Erweitert
Breitere und räumlichere Wiedergabe mit einer homogener wirkenden Klangbühne
Welche Einstellung besser klingt, hängt vom Fahrzeug, den Lautsprechern, der Musikrichtung und natürlich vom persönlichen Geschmack ab.
Voraussetzungen
Für die Codierung werden benötigt:
ein von BimmerCode unterstütztes Fahrzeug,
ein geeigneter OBD-Adapter,
eine stabile Fahrzeugbatterie beziehungsweise Spannungsversorgung,
BimmerCode oder ein vergleichbares BMW-Codierprogramm,
Grundkenntnisse im Umgang mit Steuergeräten und dem Expertenmodus.
Vor der Änderung sollte unbedingt ein Backup der ursprünglichen Codierdaten vorhanden sein. Der BimmerCode-Expertenmodus ist ausdrücklich für erfahrene Anwender vorgesehen. Fehlerhafte Änderungen können Probleme verursachen und im ungünstigen Fall eine erneute Programmierung des Steuergeräts erforderlich machen.
Die verfügbaren Steuergeräte und Parameter können je nach Baureihe, Produktionsdatum, Headunit, Verstärker und installiertem Softwarestand abweichen.
F-Baureihen: Bang & Olufsen freischalten
Bei vielen F-Modellen wird das Bang-&-Olufsen-Menü über die Headunit codiert.
Standardmenü beziehungsweise Rückkehr zur ursprünglichen Anzeige
Empfohlener Wert
keine_insz
Dieser Wert aktiviert das Bang-&-Olufsen-Klangmenü, ohne zusätzlich eine nicht nutzbare Beleuchtungsfunktion einzublenden.
Bei der Einstellung volle_insz kann im Lichtmenü eine zusätzliche Option für die Beleuchtung der Bang-&-Olufsen-Lautsprecher erscheinen. Da die originalen Harman-Kardon-Lautsprecher und Lautsprechergitter diese Beleuchtung normalerweise nicht besitzen, bleibt die Funktion ohne Wirkung.
Nach erfolgreicher Codierung sollte im Klangmenü statt der bisherigen Logic-7-Auswahl das Bang-&-Olufsen-Menü erscheinen. Dort kann anschließend zwischen Studio und Expanded gewählt werden.
G-Baureihen: Bowers & Wilkins freischalten
Bei neueren G-Modellen wird das High-End-System im iDrive in der Regel als Bowers & Wilkins bezeichnet. Entscheidend ist nicht allein das Baujahr, sondern vor allem die verbaute Headunit und der jeweilige Softwarestand.
Bei vielen Fahrzeugen mit HU_MGU bietet BimmerCode bereits eine normale Codieroption mit der Bezeichnung „Bowers & Wilkins Klangeinstellungen“ an. Laut BimmerCode entfalten diese Klangprofile nur bei einem vorhandenen Harman-Kardon-System ihre vorgesehene Wirkung.
Variante 1: Codierung im normalen BimmerCode-Menü
Headunit
→ Bowers & Wilkins Klangeinstellungen
→ Aktiv
Ist diese Auswahl für das Fahrzeug vorhanden, sollte sie bevorzugt verwendet werden.
Variante 2: Codierung im Expertenmodus
Bei entsprechenden G3x-Konfigurationen kann der Codierpfad folgendermaßen aussehen:
Die frühere Bezeichnung HU_MGT ist sehr wahrscheinlich ein Schreibfehler. Die entsprechende Headunit wird als HU_MGU bezeichnet.
Da BMW die Steuergeräte- und Parameterstruktur mit unterschiedlichen Softwareständen verändern kann, sollte der Wert nur gesetzt werden, wenn er im eigenen Fahrzeug tatsächlich vorhanden ist.
Wie verändert sich der Klang?
Nach der Codierung wirkt die Wiedergabe häufig räumlicher. Stimmen und Instrumente können sich stärker von den einzelnen Lautsprecherpositionen lösen und breiter im Innenraum verteilen.
Die beiden Klangprofile unterscheiden sich dabei deutlich:
Studio
„Studio“ wirkt meist etwas präziser, direkter und kontrollierter. Einzelne Lautsprecherpositionen bleiben besser wahrnehmbar und Stimmen werden stärker in der Mitte der Klangbühne abgebildet.
Diese Einstellung eignet sich häufig für:
Rock,
Pop,
akustische Musik,
Podcasts und Sprachwiedergabe,
Hörer, die eine klare und fokussierte Darstellung bevorzugen.
Expanded beziehungsweise Erweitert
„Expanded“ erzeugt eine deutlich breitere Raumwirkung. Der Klang verteilt sich stärker über den gesamten Innenraum und wirkt weniger an einzelne Lautsprecher gebunden.
Diese Einstellung eignet sich häufig für:
elektronische Musik,
Live-Aufnahmen,
Filmmusik,
orchestrale Musik,
Hörer, die eine große und räumliche Klangbühne bevorzugen.
Die Bewertung bleibt subjektiv. Es lohnt sich deshalb, beide Profile über mehrere Fahrten mit bekannten Musikstücken zu testen.
Equalizer-Grundeinstellung
Die folgende Einstellung kann als Ausgangspunkt für Fahrzeuge mit Harman Kardon verwendet werden:
Frequenz
Einstellung
100 Hz
0
200 Hz
−6
500 Hz
−2
1 kHz
−1
2 kHz
0
5 kHz
+1
10 kHz
+2
Zusätzliche Klangeinstellungen:
Einstellung
Wert
Höhen
+1
Bass
0
Diese Werte sind keine allgemeingültige Abstimmung. Innenraum, Lautsprecherzustand, Sitzposition, Musikquelle und persönliche Vorlieben beeinflussen das Ergebnis erheblich.
Am besten wird immer nur ein Frequenzband verändert und anschließend mit mehreren bekannten Musikstücken getestet. Zu starke Anhebungen können den Verstärker oder einzelne Lautsprecher unnötig belasten und zu einem unnatürlichen Klangbild führen.
Zusätzliche Verstärkercodierung
Bei manchen Fahrzeugen kann auch das Verstärkersteuergerät weitere Klangparameter enthalten.
Dort können je nach Verstärker und Softwarestand unter anderem fahrzeugspezifische Equalizer-Datensätze vorhanden sein.
Teilweise werden unter anderem folgende Einstellungen ausprobiert:
F10
oder
RR4
RR4 bezeichnet in diesem Zusammenhang einen Rolls-Royce-Datensatz. Dieser kann subjektiv zu einem strafferen Bass und ausgewogener wirkenden Höhen führen. Die Einstellung ist jedoch nicht für jedes Fahrzeug oder jeden Verstärker geeignet.
Die Verstärkercodierung ist unabhängig von der reinen Freischaltung des Bang-&-Olufsen- oder Bowers-&-Wilkins-Menüs. Nicht mehrere unbekannte Parameter gleichzeitig verändern.
BimmerCode unterstützt den Zugriff auf den Verstärker nicht bei jeder Fahrzeug- und Steuergerätekombination.
Optionales Bowers-&-Wilkins-Lautsprecherupgrade
Zusätzlich zur Codierung können bei einigen F3x-Modellen Lautsprecher aus anderen BMW-Audiosystemen mechanisch passen.
Im ursprünglichen Umbau wurden folgende Teilenummern verwendet:
Einbauort
BMW-Teilenummer
Center-Mitteltöner
65139279632
Center-Hochtöner
65139279631
Tür-Mitteltöner
65139279635
Tür-Hochtöner
65139279629
Bei Mittel- und Hochtönern können Abmessungen, Befestigungen und Steckverbindungen bei bestimmten F3x-Modellen übereinstimmen. Die Kabel der Bowers-&-Wilkins-Hochtöner können jedoch kürzer sein. Besonders in den hinteren Türen kann dadurch eine Anpassung der Kabelführung erforderlich werden.
Vor einer Bestellung müssen die Teilenummern unbedingt anhand der Fahrgestellnummer, des vorhandenen Audiosystems und des konkreten Einbauorts geprüft werden. Eine identische Steckverbindung bedeutet nicht automatisch, dass Impedanz, Belastbarkeit und akustische Abstimmung vollständig zum vorhandenen Verstärker passen.
Alternativ kann das von BimmerCode angelegte Backup zurückgespielt werden.
Bei G-Modellen wird die Bowers-&-Wilkins-Klangeinstellung wieder deaktiviert oder ebenfalls das ursprüngliche Backup wiederhergestellt.
Nach dem Codieren können vorübergehend Meldungen im Fahrzeug erscheinen, weil das betroffene Steuergerät neu gestartet wird. Laut BimmerCode verschwinden diese normalerweise nach dem Aus- und erneuten Einschalten der Zündung.
Fazit
Die Freischaltung der Bang-&-Olufsen- beziehungsweise Bowers-&-Wilkins-Klangprofile ist eine interessante Möglichkeit, das vorhandene Harman-Kardon-System anders abzustimmen.
Besonders die Wahl zwischen „Studio“ und „Expanded“ kann den Klangcharakter deutlich verändern. Während „Studio“ meist fokussierter und direkter wirkt, erzeugt „Expanded“ eine breitere und räumlichere Klangbühne.
Die Codierung ersetzt jedoch weder die Lautsprecher noch den Verstärker oder die aufwendige fahrzeugspezifische Abstimmung eines echten High-End-Systems. Sie sollte deshalb als alternative DSP-Abstimmung und nicht als vollständige Bowers-&-Wilkins- oder Bang-&-Olufsen-Nachrüstung betrachtet werden.
Wie bei allen Änderungen im Expertenmodus gilt: ursprüngliche Werte dokumentieren, Backup sichern und immer nur nachvollziehbare Parameter verändern.
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