Remote-Codierung: ENET und K+DCAN über VPN

Eine BMW Remote-Codierung ist grundsätzlich möglich, wenn das Fahrzeug vor Ort mit einem Windows-Notebook verbunden wird und zwischen diesem Notebook und dem Computer des Codierers eine abgesicherte VPN-Verbindung besteht.

Dabei müssen zwei technisch unterschiedliche Verbindungsarten auseinandergehalten werden:

  • Bei ENET-fähigen Fahrzeugen verbindet sich E-Sys über eine TCP-Weiterleitung direkt mit dem Fahrzeug-Gateway.
  • Bei älteren Fahrzeugen mit K+DCAN-Kabel verbindet sich das EDIABAS auf dem Computer des Codierers über Interface = REMOTE mit dem IFH-Server auf dem Notebook am Fahrzeug.

TeamViewer oder AnyDesk stellen zunächst nur den Fernzugriff auf das Notebook am Fahrzeug bereit. AnyDesk besitzt keine eigene VPN-Funktion und muss deshalb mit Hamachi oder einem vergleichbaren VPN kombiniert werden. Bei passenden gewerblichen TeamViewer-Lizenzen kann alternativ der TeamViewer-VPN-Treiber verwendet werden.

Vorschau Produkt Bewertung Preis
Ediabas k+dcan dcan USB obd2 Switch interfacen k... Ediabas k+dcan dcan USB obd2 Switch interfacen k…* Aktuell keine Bewertungen 40,99 €
Justech OBD2 zu ENET Diagnosekabel 2m OBD2 zu RJ... Justech OBD2 zu ENET Diagnosekabel 2m OBD2 zu RJ…* Aktuell keine Bewertungen 10,44 € 9,89 €

Letzte Aktualisierung am 9.08.2026 um 23:31 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / *

⚠️ Wichtige Hinweise vor dem Start

Diese Anleitung richtet sich ausschließlich an Personen, die über die notwendige Erfahrung mit E-Sys und BMW-Codierungen verfügen. Arbeiten dürfen nur am eigenen Fahrzeug oder mit ausdrücklicher Zustimmung des Fahrzeughalters durchgeführt werden.

  • Die beschriebene Verbindung ist für reine Codierarbeiten wie FDL- oder VO-Codierungen gedacht.
  • Bei K+DCAN gilt dies entsprechend für Diagnose- und Codierarbeiten mit INPA, NCS Expert oder Tool32.
  • Steuergeräte-Updates, TAL-Verarbeitung, Flashvorgänge und vollständige Fahrzeugprogrammierungen sollten nicht über eine gewöhnliche Internet- und VPN-Verbindung durchgeführt werden.
  • Der ENET-Teil bezieht sich auf Fahrzeuge, die über das HSFZ-Diagnoseprotokoll auf TCP-Port 6801 erreichbar sind. Das trifft auf viele BMW F- und I-Modelle sowie einen Teil der G-Modelle zu.
  • Neuere DoIP-, SFA- oder S29-Systeme werden damit nicht automatisch unterstützt. Das VPN umgeht keine fahrzeugseitige Authentifizierung oder Zugriffssperre.
  • Das Fahrzeug muss während der Arbeit an einer geeigneten, geregelten Spannungsversorgung angeschlossen sein.
  • Zündung einschalten, Motor ausgeschaltet lassen.
  • Eine Person muss während der gesamten Sitzung am Fahrzeug bleiben und die Spannungsversorgung sowie den Fahrzeugzustand überwachen.
  • Bei ENET Fahrzeugauftrag, SVT und vorhandene Codierdaten sichern. Bei K+DCAN die zum verwendeten Programm passenden Sicherungen anlegen, beispielsweise Fahrzeugauftrag und ausgelesene Codierdateien.

Die Durchführung erfolgt auf eigene Verantwortung. Eine unterbrochene Verbindung oder eine fehlerhafte Codierung kann dazu führen, dass ein Steuergerät nicht mehr ordnungsgemäß arbeitet.

Teil 1: Remote-Verbindung über ENET und E-Sys

So ist die ENET-Verbindung aufgebaut

Für die Remote-Codierung werden zwei Computer benötigt:

Computer des Codierers

Auf diesem Computer läuft E-Sys. Von hier aus wird die eigentliche Verbindung zum Fahrzeug aufgebaut und die Codierung durchgeführt.

Benötigt werden:

  • Windows 10 oder Windows 11
  • vollständig eingerichtetes E-Sys
  • passende PSdZData
  • gültiger Token beziehungsweise eine korrekt eingerichtete Launcher-Lösung
  • Hamachi als VPN-Verbindung
  • TeamViewer oder AnyDesk
  • stabile Internetverbindung

Notebook am Fahrzeug

Dieses Notebook stellt die Verbindung zwischen VPN und Fahrzeug her. E-Sys muss darauf nicht zwingend installiert sein.

Benötigt werden:

  • Windows 10 oder Windows 11
  • WLAN oder eine andere stabile Internetverbindung
  • zusätzlicher Ethernet-Anschluss oder USB-Ethernet-Adapter für das ENET-Kabel
  • Hamachi
  • TeamViewer oder AnyDesk
  • ENET-OBD-Kabel
  • ein vertrauenswürdiges Werkzeug zur Ermittlung der ZGW-IP-Adresse, beispielsweise ZGW_SEARCH.exe aus einer vorhandenen EDIABAS-Installation
  • Administratorrechte unter Windows

Das entfernte Notebook benötigt gleichzeitig zwei Netzwerkverbindungen: WLAN für Internet, VPN und Fernzugriff sowie Ethernet für die Verbindung zum Fahrzeug.

1. Fahrzeug und entferntes Notebook vorbereiten

  1. Das Notebook vollständig neu starten. Nach dem Standby können Netzwerkadapter gelegentlich nicht korrekt arbeiten.
  2. Automatischen Standby, Ruhezustand und das Abschalten des Netzwerkadapters für die Dauer der Sitzung verhindern.
  3. Notebook an das Netzteil anschließen.
  4. Fahrzeug gegen Wegrollen sichern und eine geeignete Spannungsversorgung anschließen.
  5. ENET-Kabel mit dem OBD-Anschluss des Fahrzeugs und dem Ethernet-Anschluss des Notebooks verbinden.
  6. Zündung einschalten, den Motor jedoch nicht starten.
  7. Prüfen, ob die Internetverbindung des Notebooks weiterhin funktioniert.

Während der Codierung sollten keine Windows-Updates, Neustarts oder anderen größeren Downloads ausgeführt werden.

2. Hamachi-VPN einrichten

Hamachi muss auf dem Computer des Codierers und auf dem Notebook am Fahrzeug installiert sein.

  1. Auf dem Computer des Codierers ein neues Hamachi-Netzwerk anlegen.
  2. Einen eindeutigen Netzwerknamen und ein starkes, nur für diese Sitzung verwendetes Passwort vergeben.
  3. Auf dem Notebook am Fahrzeug demselben Hamachi-Netzwerk beitreten.
  4. Warten, bis beide Teilnehmer als verbunden angezeigt werden.
  5. Die Hamachi-IP-Adressen beider Computer notieren.

Beispiel:

  • Hamachi-IP des Codierers: 25.90.80.70
  • Hamachi-IP des Notebooks am Fahrzeug: 25.67.121.23

Die IP-Adressen im Beispiel sind Platzhalter und müssen durch die tatsächlich angezeigten Adressen ersetzt werden.

Die in älteren Anleitungen gezeigte Änderung der Hamachi-Einstellungen „Lokale UDP-Adresse“ und „Lokale TCP-Adresse“ auf Port 6801 wird nicht benötigt. E-Sys verwendet für diese Verbindung TCP-Port 6801. Die Weiterleitung wird gezielt über Windows eingerichtet.

3. Fernzugriff mit TeamViewer oder AnyDesk herstellen

Es wird nur eines der beiden Programme benötigt. Für eine einmalige Codierung ist ein betreuter Zugriff zu bevorzugen. Ein dauerhafter unbeaufsichtigter Zugang ist nicht erforderlich.

Variante A: TeamViewer

  1. Auf dem Notebook am Fahrzeug TeamViewer QuickSupport oder den regulären TeamViewer-Client von der offiziellen TeamViewer-Webseite starten.
  2. Die angezeigte TeamViewer-ID und das temporäre Kennwort an den Codierer übermitteln.
  3. Auf dem Computer des Codierers TeamViewer öffnen.
  4. Den Bereich für Remote-Support öffnen, die ID des entfernten Notebooks eingeben und die Verbindung starten.
  5. Das temporäre Kennwort eingeben.
  6. Falls Windows eine Abfrage der Benutzerkontensteuerung anzeigt, muss die Person am Fahrzeug die Freigabe bestätigen. Alternativ muss die Sitzung mit den notwendigen administrativen Rechten gestartet werden.

Für eine einmalige Sitzung sollte kein dauerhafter TeamViewer-Zugriff eingerichtet werden. Bei gewerblicher Nutzung ist eine passende TeamViewer-Lizenz erforderlich.

Variante B: AnyDesk

  1. AnyDesk auf dem Notebook am Fahrzeug von der offiziellen AnyDesk-Webseite herunterladen und starten. Für eine einmalige Sitzung genügt in der Regel die portable Variante.
  2. Die angezeigte AnyDesk-Adresse an den Codierer übermitteln.
  3. Auf dem Computer des Codierers die AnyDesk-Adresse in das Feld für die Gegenstelle eingeben und die Verbindung starten.
  4. Die Person am Fahrzeug nimmt die Verbindung an und erlaubt Bildschirm-, Tastatur- und Maussteuerung.
  5. Für die später benötigten Administratorbefehle muss die Sitzung bei Bedarf erhöht werden. Eine Windows-UAC-Abfrage ist von der Person am Fahrzeug zu bestätigen.

Auch bei AnyDesk ist für diese Arbeit kein unbeaufsichtigter Zugriff notwendig. Bei professioneller oder gewerblicher Nutzung ist eine passende AnyDesk-Lizenz erforderlich.

4. IP-Adresse des Fahrzeugs ermitteln

Auf dem Notebook am Fahrzeug wird nun die IP-Adresse des zentralen Fahrzeug-Gateways ermittelt.

  1. Ein vertrauenswürdiges ZGW-Suchwerkzeug starten. Bei einer vorhandenen EDIABAS-Installation befindet sich ZGW_SEARCH.exe üblicherweise im Ordner C:\EDIABAS\Hardware\ENET.
  2. Die Suche starten und die gefundene Fahrzeugadresse notieren.

Eine typische ZGW-Adresse sieht beispielsweise so aus:

169.254.200.10

Vor der Portweiterleitung sollte auf dem entfernten Notebook geprüft werden, ob TCP-Port 6801 am Fahrzeug erreichbar ist. Dazu PowerShell öffnen und folgenden Befehl mit der tatsächlichen Fahrzeug-IP ausführen:

Test-NetConnection 169.254.200.10 -Port 6801

Bei TcpTestSucceeded : True ist der HSFZ-Diagnoseport erreichbar.

Wird kein Fahrzeug gefunden, sind folgende Punkte zu prüfen:

  • ENET-Kabel und Ethernet-Adapter korrekt verbunden
  • Ethernet-Adapter auf automatische IP-Zuweisung eingestellt
  • keine ungeeignete statische IPv4-Adresse eingetragen
  • Zündung eingeschaltet
  • Notebook nach dem Verbinden des ENET-Kabels neu gestartet
  • Fahrzeug gegebenenfalls verriegeln, vollständig einschlafen lassen und anschließend erneut aufwecken

Alte Versionen von ZGW_SEARCH.exe verlangen teilweise MSWINSCK.OCX. Diese Datei sollte nicht von beliebigen Downloadseiten oder unbekannten Cloud-Freigaben bezogen werden. Besser ist eine vertrauenswürdige, vollständige EDIABAS-Installation oder ein aktuelles ZGW-Suchwerkzeug.

5. TCP-Port 6801 auf dem entfernten Notebook weiterleiten

Windows muss eingehende E-Sys-Verbindungen von der Hamachi-IP des Notebooks an die ZGW-IP des Fahrzeugs weiterleiten.

Für das folgende Beispiel gelten diese Adressen:

  • Hamachi-IP des Codierers: 25.90.80.70
  • Hamachi-IP des Notebooks am Fahrzeug: 25.67.121.23
  • ZGW-IP des Fahrzeugs: 169.254.200.10

Auf dem Notebook am Fahrzeug PowerShell oder die Eingabeaufforderung als Administrator öffnen und folgenden Befehl ausführen:

netsh interface portproxy add v4tov4 listenaddress=25.67.121.23 listenport=6801 connectaddress=169.254.200.10 connectport=6801 protocol=tcp

Die drei Beispieladressen müssen vorher durch die tatsächlich ermittelten IP-Adressen ersetzt werden.

Anschließend die eingerichtete Weiterleitung kontrollieren:

netsh interface portproxy show all

Die Ausgabe muss TCP-Port 6801 von der Hamachi-IP des entfernten Notebooks auf die Fahrzeug-IP weiterleiten.

Diese Weiterleitung stellt ausschließlich den von E-Sys über die Gateway-URL verwendeten HSFZ-Diagnosekanal bereit. Sie ist keine vollständige ENET-Brücke. HSFZ verwendet zusätzlich einen separaten Control-Port 6811. DoIP nutzt standardmäßig Port 13400 und außerdem UDP-basierte Mechanismen für die Fahrzeugsuche. netsh interface portproxy leitet jedoch nur TCP weiter. Deshalb dürfen 6811 oder 13400 nicht ungeprüft ergänzt und dieser Aufbau nicht als DoIP-Lösung verwendet werden.

6. Gezielte Windows-Firewall-Regel anlegen

Firewall und Virenschutz werden nicht vollständig deaktiviert. Stattdessen wird nur TCP-Port 6801 freigegeben und der Zugriff auf die Hamachi-IP des Codierers begrenzt.

Im oben verwendeten Beispiel lautet der PowerShell-Befehl:

New-NetFirewallRule -DisplayName "BMW ENET VPN TCP 6801" -Direction Inbound -Action Allow -Protocol TCP -LocalAddress 25.67.121.23 -LocalPort 6801 -RemoteAddress 25.90.80.70 -Profile Any

Dabei gilt:

  • LocalAddress ist die Hamachi-IP des Notebooks am Fahrzeug.
  • RemoteAddress ist die Hamachi-IP des Codierers.
  • LocalPort bleibt 6801.

So ist der Port nicht unnötig auf allen Netzwerkschnittstellen und für beliebige Gegenstellen freigegeben.

7. Verbindung vor dem Start von E-Sys testen

Auf dem Computer des Codierers PowerShell öffnen und die Hamachi-IP des Notebooks am Fahrzeug testen:

Test-NetConnection 25.67.121.23 -Port 6801

Nur wenn TcpTestSucceeded : True angezeigt wird, sollte die Verbindung in E-Sys aufgebaut werden.

Schlägt der Test fehl, darf nicht einfach weitercodiert werden. Zuerst müssen VPN, Portweiterleitung, Firewall-Regel und die Verbindung zwischen Notebook und Fahrzeug geprüft werden.

8. E-Sys über die VPN-Verbindung verbinden

E-Sys läuft ausschließlich auf dem Computer des Codierers.

  1. E-Sys starten.
  2. Den Verbindungsdialog öffnen.
  3. Die zum Fahrzeug passende Baureihe beziehungsweise das richtige Target auswählen.
  4. Connection via gateway URL auswählen.
  5. Die Hamachi-IP des entfernten Notebooks mit TCP-Port 6801 eintragen.

Beispiel:

tcp://25.67.121.23:6801
  1. Verbindung mit Connect herstellen.
  2. Fahrzeugauftrag und SVT auslesen und sichern.
  3. Vorhandene Codierdaten sichern.
  4. Erst danach die geplanten und zuvor eindeutig geprüften Codierungen durchführen.

Während des Schreibvorgangs dürfen weder E-Sys noch Hamachi, TeamViewer beziehungsweise AnyDesk oder das entfernte Notebook beendet werden. Auch das ENET-Kabel darf nicht getrennt werden.

9. Sitzung sauber beenden und Freigaben entfernen

Nach Abschluss der Codierung wird die Verbindung nicht einfach offen gelassen.

  1. E-Sys ordnungsgemäß vom Fahrzeug trennen.
  2. E-Sys schließen.
  3. Auf dem entfernten Notebook die Portweiterleitung entfernen. Dazu folgenden Befehl mit der tatsächlich verwendeten Hamachi-IP ausführen:
netsh interface portproxy delete v4tov4 listenaddress=25.67.121.23 listenport=6801 protocol=tcp
  1. Die zuvor angelegte Firewall-Regel entfernen:
Remove-NetFirewallRule -DisplayName "BMW ENET VPN TCP 6801"
  1. Kontrolle durchführen:
netsh interface portproxy show all
  1. Entferntes Notebook aus dem Hamachi-Netzwerk entfernen oder das nur für diese Sitzung angelegte Netzwerk löschen.
  2. TeamViewer- oder AnyDesk-Sitzung beenden.
  3. Falls versehentlich ein unbeaufsichtigter Zugriff eingerichtet wurde, diesen wieder deaktivieren und das Kennwort entfernen beziehungsweise ändern.
  4. Zündung ausschalten und das Fahrzeug ordnungsgemäß herunterfahren lassen.
  5. ENET-Kabel erst danach entfernen.

Häufige Probleme und Lösungen

E-Sys kann keine Verbindung herstellen

  • Mit Test-NetConnection prüfen, ob die Hamachi-IP des entfernten Notebooks auf TCP-Port 6801 erreichbar ist.
  • Kontrollieren, ob die Portweiterleitung auf die richtige ZGW-IP zeigt.
  • Prüfen, ob sich die Fahrzeug-IP nach einem Neustart oder Fahrzeugschlaf geändert hat.
  • Hamachi-Verbindung auf beiden Computern kontrollieren.
  • Firewall-Regel und eingetragene IP-Adressen prüfen.
  • Sicherstellen, dass der Windows-Dienst „IP-Hilfsdienst“ auf dem entfernten Notebook ausgeführt wird.

ZGW_SEARCH findet das Fahrzeug nicht

  • Ethernet-Adapter auf automatische Adressvergabe stellen.
  • WLAN nicht deaktivieren, da es für Internet, VPN und Fernzugriff benötigt wird.
  • ENET-Kabel und USB-Ethernet-Adapter prüfen.
  • Notebook neu starten.
  • Fahrzeug vollständig einschlafen lassen und anschließend erneut aufwecken.

Administratorfenster lassen sich nicht bedienen

Die TeamViewer- oder AnyDesk-Sitzung verfügt nicht über ausreichende Rechte. Die Person am Fahrzeug muss die UAC-Abfrage bestätigen oder die Fernzugriffssitzung mit administrativen Rechten erhöhen.

Die Verbindung ist instabil oder bricht ab

Die Codierung nicht fortsetzen. Zuerst Internetverbindung, WLAN-Empfang, VPN und Spannungsversorgung stabilisieren. Ein kompletter Flashvorgang darf über eine instabile Remote-Verbindung keinesfalls begonnen werden.

Fazit zur ENET-Verbindung

Eine BMW-Remote-Codierung mit E-Sys kann über Hamachi und eine gezielte TCP-Portweiterleitung funktionieren. TeamViewer oder AnyDesk erleichtern lediglich die Einrichtung und Bedienung des Notebooks am Fahrzeug. Für den eigentlichen Datenweg zwischen E-Sys und Fahrzeug ist das VPN verantwortlich.

Entscheidend sind eine stabile Spannungsversorgung, eine zuverlässige Internetverbindung, eine korrekt begrenzte Firewall-Regel und eine Person vor Ort. Die Verbindung sollte ausschließlich für klar definierte Codierarbeiten verwendet und nach Abschluss vollständig zurückgebaut werden.

Teil 2: Remote-Verbindung über K+DCAN und EDIABAS

Bei einem K+DCAN-Kabel kann die USB-Verbindung nicht einfach über das Internet durchgereicht werden. Stattdessen nutzt EDIABAS seine integrierte Remote-Funktion.

Das Prinzip lautet:

  • Auf dem Computer des Codierers laufen das Diagnoseprogramm, der EDIABAS-Kern und die benötigten PRG-/GRP-Dateien.
  • Auf dem Notebook am Fahrzeug arbeiten der lokale Interface Handler für STD:OBD und IFHSrv32.exe mit dem K+DCAN-Kabel.
  • Der IFH-Server stellt diesen Interface Handler über TCP bereit.
  • Auf dem Computer des Codierers wird EDIABAS auf REMOTE eingestellt.
  • Als RemoteHost wird die VPN-IP-Adresse des Notebooks am Fahrzeug eingetragen.

IFHSrv32.exe muss ausschließlich auf dem Notebook am Fahrzeug laufen. Ein zusätzlicher Start auf dem Computer des Codierers ist nicht erforderlich und kann sogar zu Verwirrung oder Portkonflikten führen.

Versionshinweis zu EDIABAS

Der K+DCAN-Teil dieser Anleitung ist auf EDIABAS 7.3.0 ausgelegt. Besonders ältere Versionen wie EDIABAS 6.x, 7.0 oder 7.1 können sich beim Remote-Betrieb, bei den Konfigurationseinträgen, den enthaltenen Hilfsdateien und den verwendeten Installationspfaden deutlich unterscheiden. Anleitungen und Dateien verschiedener Versionen dürfen deshalb nicht ungeprüft miteinander vermischt werden. Vor der Einrichtung sollten die installierte EDIABAS-Version und der tatsächlich verwendete Pfad der EDIABAS.INI kontrolliert werden.

Voraussetzungen für K+DCAN

Computer des Codierers

  • Windows 10 oder Windows 11
  • korrekt installierte BMW Standard Tools beziehungsweise EDIABAS
  • benötigte Diagnose- und Codierprogramme wie INPA, NCS Expert oder Tool32
  • passende Datenstände und Steuergerätebeschreibungen
  • Hamachi oder TeamViewer mit installiertem VPN-Treiber
  • TeamViewer oder AnyDesk für den Fernzugriff

Notebook am Fahrzeug

  • Windows 10 oder Windows 11
  • installierte und funktionsfähige EDIABAS-Interface-Komponenten einschließlich IFHSrv32.exe und OBD-Interface-Handler
  • funktionierender K+DCAN-Treiber
  • korrekt eingerichtete COM-Schnittstelle
  • korrekt angepasste OBD.INI
  • K+DCAN-Kabel
  • Hamachi oder TeamViewer mit installiertem VPN-Treiber
  • TeamViewer oder AnyDesk
  • Administratorrechte

Die benötigten Steuergerätebeschreibungen und Datenstände müssen auf dem Computer des Codierers vorhanden sein. Das Notebook am Fahrzeug führt die Diagnosejobs nicht selbst aus und benötigt für den späteren Remote-Betrieb deshalb keine zweite vollständige Sammlung identischer PRG-/GRP-Dateien. Eine lokale INPA-Installation ist dort trotzdem sinnvoll, um Kabel, Treiber und COM-Port vorab zu testen.

1. VPN-Verbindung für K+DCAN auswählen

Für den Transport der EDIABAS-Daten wird eine echte IP-Verbindung zwischen beiden Computern benötigt.

Möglichkeit A: Hamachi mit TeamViewer oder AnyDesk

Diese Variante funktioniert unabhängig davon, welches Fernwartungsprogramm verwendet wird.

  1. Hamachi auf beiden Computern installieren.
  2. Beide Computer demselben privaten Hamachi-Netzwerk hinzufügen.
  3. Die Hamachi-IP-Adressen beider Computer notieren.
  4. TeamViewer oder AnyDesk lediglich zur Bedienung des entfernten Notebooks verwenden.

Möglichkeit B: Integriertes TeamViewer-VPN

Das TeamViewer-VPN steht nur mit unterstützten gewerblichen TeamViewer-Lizenzen zur Verfügung. Außerdem muss auf beiden Computern der TeamViewer-VPN-Treiber installiert sein. TeamViewer QuickSupport allein genügt dafür nicht.

  1. Auf beiden Computern TeamViewer öffnen.
  2. Einstellungen und anschließend die erweiterten Einstellungen öffnen.
  3. Unter den erweiterten Netzwerkeinstellungen den TeamViewer-VPN-Treiber installieren.
  4. TeamViewer auf beiden Computern neu starten.
  5. Eine VPN-Verbindung zum Notebook am Fahrzeug herstellen.
  6. Im TeamViewer-VPN-Fenster die angezeigte IP des Partners notieren.

Diese Partner-IP wird später als RemoteHost verwendet.

AnyDesk bietet selbst keine entsprechende VPN-Schnittstelle. Bei AnyDesk muss daher zusätzlich Hamachi oder eine andere geeignete VPN-Lösung verwendet werden.

2. K+DCAN am Notebook des Fahrzeugs lokal prüfen

Bevor eine Remote-Verbindung eingerichtet wird, muss die Diagnose direkt am entfernten Notebook funktionieren.

  1. K+DCAN-Kabel mit Fahrzeug und Notebook verbinden.
  2. COM-Port im Windows-Geräte-Manager kontrollieren.
  3. Prüfen, ob derselbe COM-Port in der OBD.INI eingetragen ist.
  4. Zündung einschalten, Motor ausgeschaltet lassen.
  5. INPA auf dem Notebook am Fahrzeug starten.
  6. Prüfen, ob Batterie und Zündung erkannt werden und eine Verbindung zu mindestens einem Steuergerät möglich ist.
  7. INPA danach vollständig schließen.

INPA, NCS Expert, Tool32 oder andere EDIABAS-Anwendungen dürfen auf dem entfernten Notebook nicht parallel zum IFH-Server auf das K+DCAN-Kabel zugreifen.

3. EDIABAS auf dem Notebook am Fahrzeug konfigurieren

Vor Änderungen eine Sicherung der vorhandenen Datei C:\EDIABAS\BIN\EDIABAS.INI anlegen.

Auf dem Notebook am Fahrzeug bleiben das lokale K+DCAN-Interface und das TCP-Protokoll aktiv. In der vorhandenen EDIABAS.INI müssen die betreffenden Einträge sinngemäß so aussehen:

[Configuration]
Interface = STD:OBD
NetworkProtocol = TCP

[TCP]
Port = 6801

Die komplette vorhandene Datei darf nicht durch dieses kurze Beispiel ersetzt werden. Es werden nur die vorhandenen Werte kontrolliert beziehungsweise angepasst.

Die Angabe RemoteHost ist auf dem Notebook am Fahrzeug nicht notwendig. Dieses Notebook stellt mit IFHSrv32.exe den Server bereit.

Die in sehr alten BMW-Unterlagen erwähnte Datei remote_mit_pc.bat wird für aktuelle EDIABAS-Installationen nicht benötigt. Sie wurde bereits mit EDIABAS 7.2.0 Package 1.1 aus dem Paket entfernt. Für die PC-zu-PC-Verbindung genügen die korrekten Einträge in der EDIABAS.INI: auf dem Fahrzeug-Notebook Interface = STD:OBD, NetworkProtocol = TCP und der gemeinsame Port; auf dem Computer des Codierers zusätzlich Interface = REMOTE und RemoteHost.

OPPS-spezifische InitCmd-Einträge werden für diese PC-zu-PC-Verbindung nicht ergänzt. Eine fehlende Batchdatei darf nicht aus unbekannten Quellen heruntergeladen oder selbst nachgebaut werden.

4. Firewall-Regel für den IFH-Server anlegen

Die Windows-Firewall wird nicht deaktiviert. Stattdessen wird nur der für EDIABAS gewählte TCP-Port für den Computer des Codierers freigegeben.

Beispiel:

  • VPN-IP des Codierers: 25.90.80.70
  • VPN-IP des Notebooks am Fahrzeug: 25.67.121.23
  • gemeinsamer EDIABAS-Port: 6801

Auf dem Notebook am Fahrzeug PowerShell als Administrator öffnen und folgende Regel anlegen:

New-NetFirewallRule -DisplayName "BMW EDIABAS REMOTE TCP 6801" -Direction Inbound -Action Allow -Protocol TCP -LocalAddress 25.67.121.23 -LocalPort 6801 -RemoteAddress 25.90.80.70 -Profile Any

Die Beispieladressen müssen durch die tatsächlich angezeigten VPN-Adressen ersetzt werden.

5. IFHSrv32 auf dem Notebook am Fahrzeug starten

Auf dem Notebook am Fahrzeug folgende Datei öffnen:

C:\EDIABAS\BIN\IFHSrv32.exe

Das Programm muss während der gesamten Diagnose- oder Codiersitzung geöffnet bleiben.

IFHSrv32.exe wird nicht auf dem Computer des Codierers gestartet. Dort laufen nur die Diagnoseanwendung und das auf REMOTE konfigurierte EDIABAS.

6. EDIABAS auf dem Computer des Codierers konfigurieren

Auch auf dem Computer des Codierers zunächst die vorhandene C:\EDIABAS\BIN\EDIABAS.INI sichern.

Anschließend die relevanten Werte kontrollieren und anpassen:

[Configuration]
Interface = REMOTE
NetworkProtocol = TCP

[TCP]
RemoteHost = 25.67.121.23
Port = 6801

RemoteHost ist immer die VPN-IP des Notebooks am Fahrzeug. Bei Hamachi wird dessen Hamachi-IP verwendet. Beim TeamViewer-VPN ist es die im VPN-Fenster angezeigte IP des Partners.

Wer einen EDIABAS-Konfigurator verwendet, wählt dort auf dem Computer des Codierers REMOTE als Interface und trägt die VPN-IP des Notebooks am Fahrzeug als RemoteHost ein. Danach sollte trotzdem kontrolliert werden, ob die tatsächlich verwendete EDIABAS.INI korrekt geändert wurde.

Der Port muss auf beiden Computern identisch sein. Port 6801 ist verbreitet, aber nicht zwingend vorgeschrieben. Die BMW-Dokumentation nennt für die PC-zu-PC-Verbindung einen frei wählbaren Bereich oberhalb von 1000 und unterhalb von 30000. Falls ein anderer freier TCP-Port verwendet wird, muss er auf beiden Computern sowie in der Firewall-Regel identisch eingetragen werden.

7. TCP-Verbindung testen

Auf dem Computer des Codierers PowerShell öffnen und prüfen, ob der IFH-Server erreichbar ist:

Test-NetConnection 25.67.121.23 -Port 6801

Bei TcpTestSucceeded : True ist der IFH-Server über das VPN erreichbar.

Ein nicht beantworteter Ping beweist nicht, dass die Verbindung gestört ist. ICMP kann durch eine Firewall blockiert sein, während die benötigte TCP-Verbindung trotzdem funktioniert. IPv6 muss dafür nicht pauschal auf beiden Computern deaktiviert werden. Entscheidend sind die richtige IPv4-VPN-Adresse und der erfolgreiche TCP-Porttest.

8. Diagnose oder Codierung starten

  1. Prüfen, ob IFHSrv32.exe auf dem Notebook am Fahrzeug läuft.
  2. INPA auf dem Computer des Codierers starten.
  3. Batterie- und Zündungsstatus prüfen.
  4. Verbindung zu einem Steuergerät testen.
  5. INPA vor dem Start einer anderen Anwendung wieder schließen.
  6. Erst danach NCS Expert, Tool32 oder die benötigte Anwendung starten.

Für entfernte Flash- und Programmiervorgänge mit WinKFP ist eine gewöhnliche Internet- und VPN-Verbindung nicht zu empfehlen. Die hier beschriebene Verbindung sollte auf Diagnose, Auslesen und überschaubare Codierarbeiten beschränkt bleiben.

9. K+DCAN-Verbindung nach der Sitzung zurückbauen

  1. Diagnose- oder Codieranwendung auf dem Computer des Codierers schließen.
  2. IFHSrv32.exe auf dem Notebook am Fahrzeug beenden.
  3. Die Firewall-Regel auf dem Notebook am Fahrzeug entfernen:
Remove-NetFirewallRule -DisplayName "BMW EDIABAS REMOTE TCP 6801"
  1. Auf dem Computer des Codierers Interface = REMOTE wieder auf die normalerweise verwendete Einstellung zurücksetzen.
  2. TeamViewer-VPN oder Hamachi-Verbindung trennen.
  3. Fernzugriffssitzung beenden.
  4. Zündung ausschalten und das Fahrzeug ordnungsgemäß herunterfahren lassen.
  5. K+DCAN-Kabel erst danach entfernen.

Typische Fehler bei der K+DCAN-Remote-Verbindung

IFHSrv32.exe lässt sich auf dem Computer des Codierers nicht starten

Das ist für diese Verbindung nicht erforderlich. Der IFH-Server läuft ausschließlich auf dem Notebook, an dem das K+DCAN-Kabel angeschlossen ist.

NET-0009: TIMEOUT

Mögliche Ursachen:

  • falsche VPN-IP bei RemoteHost
  • IFHSrv32.exe auf dem Notebook am Fahrzeug nicht gestartet
  • unterschiedliche TCP-Ports in den beiden EDIABAS-Konfigurationen
  • fehlende oder falsche Firewall-Regel
  • falsche EDIABAS.INI bearbeitet
  • aktive OPPS-spezifische InitCmd-Einträge in der verwendeten EDIABAS.INI
  • VPN-Verbindung nicht vollständig aufgebaut

TCP-Port ist erreichbar, aber das Steuergerät antwortet nicht

Dann funktioniert der Netzwerkweg bereits. Der Fehler liegt wahrscheinlich auf der Fahrzeugseite:

  • K+DCAN-Kabel lokal nicht korrekt eingerichtet
  • falscher COM-Port in der OBD.INI
  • ein anderes Programm greift bereits auf das Kabel zu
  • Zündung ausgeschaltet
  • falsche Kabelschalterstellung oder unpassende Pin-7/8-Konfiguration bei älteren Fahrzeugen
  • nicht passende oder fehlende Steuergerätebeschreibung

TeamViewer-VPN zeigt keine VPN-Option

Der VPN-Treiber muss auf beiden Computern installiert sein. Außerdem benötigt diese Funktion eine unterstützte gewerbliche TeamViewer-Lizenz und den installierten TeamViewer-Client. Mit QuickSupport allein steht der TeamViewer-VPN-Treiber nicht zur Verfügung.

Gesamtes Fazit

ENET und K+DCAN dürfen bei einer BMW-Remote-Verbindung nicht gleich behandelt werden. Bei ENET wird der Diagnoseport des Fahrzeug-Gateways über das VPN weitergeleitet. Bei K+DCAN stellt dagegen IFHSrv32.exe das lokal angeschlossene EDIABAS-Interface als TCP-Server bereit.

TeamViewer und AnyDesk dienen in erster Linie zur Bedienung des entfernten Notebooks. Der eigentliche Diagnoseweg benötigt immer eine passende Datenverbindung. Für E-Sys und die klassische EDIABAS-Remote-Funktion kann diese über Hamachi oder – bei unterstützter Lizenz und installiertem VPN-Treiber – über das integrierte TeamViewer-VPN hergestellt werden.






ℹ️ Hinweis zu den Abbildungen
Auf BimmerGuide werden teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erstellte oder bearbeitete Illustrationen und Titelbilder verwendet.
Sie dienen ausschließlich der Veranschaulichung technischer Inhalte und stellen nicht zwangsläufig reale Fahrzeuge, Bauteile oder Situationen dar.




Neuste Beiträge